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Christus Online Bibellexikon
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Montag,  21. Mai 2012

 



Evangelium nach Johannes

ist das vierte Buch des Neuen Testaments der Bibel, eines der vier kanonischen Evangelien. Es bildet zusammen mit den drei synoptischen Evangelien eine zentrale Grundlage des christlichen Glaubens, hat diesen gegenüber jedoch einen sehr eigenständigen darstellerischen und theologischen Charakter.

Prolog und Aufbau

Das Johannesevangelium beginnt nicht mit der Geburt, Kindheit oder Taufe Jesu, sondern mit einem tiefgründigen Prolog in der Form eines strophischen Liedes (Johannes 1, 1-14):

Veit Stoß (um 1445 - 1533): Statue auf Hochaltar der Marienkirche in Krakau Veit Stoß (um 1445 - 1533): Statue auf Hochaltar der Marienkirche in Krakau   Gemeinfreiheit   Im Anfang war das Wort
und das Wort war bei Gott,
und das Wort war Gott.
Im Anfang war es bei Gott.
Alles ist durch das Wort geworden
und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.

Zielpunkt dieser und der folgenden drei Strophen ist Vers 14:

Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt
und wir haben seine Herrlichkeit gesehen,
die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit.


Der Prolog erhält einen starken Sprachrhythmus, indem er jeden neuen Begriff im jeweiligen Folgesatz aufgreift, weiterführt und in jeder Strophe einen neuen Gedanken durchführt. Seine Begriffe und Form beziehen sich auf den ersten Schöpfungsbericht der Tora (Genesis 1, 1), der ebenfalls mit "Im Anfang" beginnt und Gottes Hinwendung zur Welt als ein ordnendes, die Gegensätze von Licht und Finsternis, Tag und Nacht usw. scheidendes Handeln beschreibt. So wie dieses auf das Erschaffen des Menschen als Gottes Ebenbild zuläuft, so läuft hier alles auf die Menschwerdung des Wortes zu, durch das Gott alles gemacht hat. Der Prolog legt also das Kommen Jesu Christi als Fleischwerdung des ewigen Wortes aus, das von Anfang an Gottes Wille war und seine Schöpfung vollendet.

Der Prolog tritt an die Stelle der Abstammungslisten und Geburtslegenden im Lukas- und Matthäusevangelium. Er nimmt wie in einer Ouvertüre die Themen vorweg, die das ganze Evangelium dann ausführt: Das Wort ist Fleisch geworden, hat unter uns gewohnt und wir sahen seine Herrlichkeit. Dies wird auch als Leseanweisung für die drei Hauptteile verstanden:

  • Kapitel 2-12: das Auftreten Jesu vor Zeugen, unterteilt in Kapitel 3-6 (Reden und Wunder) und Kapitel 7-12 (Streitgespräche mit Gegnern, Scheidung in Gegner und Anhänger)

  • Kapitel 13-17: Abschied von den Jüngern, unterteilt in Kapitel 13 (Fußwaschung), Kapitel 14-16 (Abschiedsreden), Kapitel 17 (das hohepriesterliche Gebet Jesu)

  • Kapitel 18-21: Verherrlichung durch Passion und Auferstehung, unterteilt in Kapitel 18-19 (Leiden und Tod), Kapitel 20-21 (Erscheinungen des Auferstandenen und Sendung der Jünger).

Inhaltliche Zusammenfassung

Der erzählerische Rahmen reicht vom Zeugnis Johannes des Täufers (Johannes 1,19) über das öffentliche Wirken Jesu (Johannes 2-12) und die Offenbarung vor seinen Jüngern (Johannes 14-17) bis zu seiner Kreuzigung (Johannes 18-19) und den Erscheinungen des Auferstandenen vor Zeugen (Johannes 20).

Im Zentrum des Johannesevangeliums steht die Botschaft, dass Jesus der Sohn Gottes sei. Dies gipfelt in Aussagen wie

Ich und der Vater sind eins.   (Johannes 10, 30)

Dieses hohe Selbstbewusstsein Jesu provoziert den Vorwurf der Gotteslästerung, welcher von einigen Juden gegen Jesus erhoben wird und auch handgreiflichen Ausdruck findet in Versuchen, Jesus zu steinigen. (Johannes 10, 31-33)

Dem setzt der johanneische Jesus entgegen, dass er in die Welt gekommen sei, um den Menschen die Nähe Gottes zu vermitteln. Wer an Jesus und seine göttlichen Werke glaube, der glaube damit auch an Gott. In ihm verkörpere sich die Liebe Gottes, die allein den Menschen zu retten vermöge:

Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.
(Johannes 3, 16-17)

Den Höhepunkt der Selbstmitteilung Jesu im Johannesevangelium bilden die so genannten Abschiedsreden (Johannes 14, 15-31), in denen Jesus die Einheit mit Gott auch seinen Jüngern verspricht. Der Heilige Geist werde ihnen die Erkenntnis bringen:

An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch. (Johannes 14, 20)

Schließlich bittet Jesus um dieses Einheitserlebnis für alle, die an ihn glauben.

Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, damit sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst.
(Johannes 17, 20-23)

Nach dem Johannesevangelium führt die Erkenntnis des Einsseins mit Gott dazu, dass der immer unbefriedigte Mensch von seinem unersättlichen Lebensdurst befreit wird:

Jesus erwiderte: "Wer dieses Wasser trinkt, wird bald wieder durstig sein. Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, der wird nie wieder Durst bekommen. Dieses Wasser wird in ihm zu einer Quelle, die bis ins ewige Leben hinein fließt."   (Johannes 4, 13-14)

Zu dieser Erkenntnis führen vor allem auch die "Zeichen" Jesu, die mit der Wandlung von Wasser in Wein bei der Hochzeit zu Kana (Johannes 2, 1-11) beginnen und über die Auferweckung des Lazarus (Johannes 11, 1-45) zu Jesu Passion und Auferstehung führen.

Die Absicht des Johannesevangeliums verdeutlicht der vorläufige Abschlussvers Johannes 20, 31:

Aber die hier aufgezeichneten Berichte wurden geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der versprochene Retter und der Sohn Gottes ist. Wenn ihr ihm vertraut, habt ihr durch ihn das ewige Leben.






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