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Christus Online Bibellexikon
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Montag,
21.
Mai
2012
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Judas Ischariot
erscheint im Neuen Testament als einer der zwölf Nachfolger des Jesus von Nazaret, die dieser persönlich als Apostel berief. Nach allen vier Evangelien soll er in Jerusalem Jesu Festnahme im Garten Getsemani durch die im Sanhedrin führenden Gruppen ermöglicht haben mit der Folge, dass Jesus von diesen an die Römer ausgeliefert und gekreuzigt wurde.
Der Name Judas ist die damals verbreitete griechische Form des hebräischen Vornamens Juda, der im Tanach auf einen Stammvater der zwölf Stämme Israels zurückgeführt wird. So hießen nach dem Neuen Testament u. a. auch der Apostel Judas Thaddäus und ein Bruder Jesu.
Der Beiname (nicht Nachname) Ischariot wird zum einen als Isch Qerijot (Mann aus Kariot) gedeutet. Das hebräische Wort qerijot hat die Bedeutung Begegnungen. Da in Judäa ein Dorf dieses Namens existierte, wäre Judas der einzige Judäer unter den zwölf Jüngern gewesen, die nach den Neuen Testament-Berichten sonst alle aus Galiläa stammten. Anhaltspunkte dafür, dass Judas gesondert erst in Judäa berufen wurde, fehlen dort.
Während sich in den Paulusbriefen und anderen Episteln kein Hinweis auf Judas Ischariot findet, führen ihn alle Evangelien als Apostel ein und stellen seine Rolle in Jesu Passion heraus. Sein Name erscheint bei den Synoptikern (Markus, Matthäus, Lukas) erstmals jeweils in den Jüngerlisten, die die zwölf erstberufenen Jünger Jesu aufzählen. In Markus 3,19, dem Matthäus 10,4 fast wörtlich folgt, wird nur beim Namen Judas sofort auf dessen künftige Rolle in der Passionsgeschichte Jesu hingewiesen: ... Judas Iskariot, der ihn verriet.
Dieses Tun wird durchgängig mit dem griechischen Verb para-didomi benannt, was allgemein "hingeben", "übergeben" bedeutet. Nur das Lukasevangelium verwendet davon abweichend an einer einzigen Stelle den Begriff prodotes, "Verräter". Das Wort para-didomi umfasst das Bedeutungsspektrum zwischen dem "Überliefern" einer Sache (auch von Lehren), dem "Ausliefern" von Personen an Gericht und Strafverfolgung bis hin zur "Preisgabe" an die Feinde.
Die Evangelien stellen Judas also nicht als bloßen Vermittler einer unabhängig von ihm vollzogenen Tötungsprozedur, sondern als aktiven Initiator der Passionsgeschichte dar. Deshalb heben sie sein zukünftiges Handeln schon bei seiner Berufung hervor. Die Bezeichnung Verräter bürgerte sich im deutschen Sprachraum durch Luthers Übersetzung ein.
Nach der Jüngerberufung gehört Judas bei den Synoptikern jedoch ganz selbstverständlich zu denen, die Jesus als "Brüder" anspricht mit der Begründung: Alle, die Gottes Willen ausführten, seien seine nächsten Verwandten. Auch in der Aussendungsrede gehört Judas zu den Jüngern, von denen es heißt (Markus 6, 12-13):
Und sie zogen aus und predigten, man solle Buße tun, und trieben viele böse Geister aus und salbten viele Kranke mit Öl und machten sie gesund. Erst nach dem Tötungsplan der Tempelpriester und Schriftlehrer, das heißt, der im Sanhedrin vertretenen jüdischen Führungsgruppen, wird Judas als der genannt, der Jesus an diese seine Feinde verraten habe, wofür sie ihm Geld versprochen hätten.
Im Bericht vom letzten Mahl kündigt Jesus selbst an, dass einer seiner Tischgäste den Verrat oder die Auslieferung begehen werde, ohne Judas beim Namen zu nennen. Er weist dabei in Gegenwart aller Jünger auf Gottes Vorherbestimmung seines wie des Verräters Weges hin:
Der Menschensohn geht zwar hin, wie von ihm geschrieben steht; weh aber dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre für diesen Menschen besser, wenn er nie geboren wäre. Judas verkörpert demnach die Möglichkeit des Verrats inmitten der Jüngerschar, die Jesus angesichts seiner Festnahme verließen und wie Petrus verleugneten. Aber Jesu Austeilung von Brot und Wein gibt ihnen allen, auch Judas, vorweg Anteil an Jesu Lebenshingabe, die die Sündenvergebung beinhaltet.
Das Johannesevangelium gibt Judas in einigen Texten eine Sonderrolle, wo er sie in den älteren synoptischen Versionen nicht hatte. Während der Christusbekenner Simon Petrus in Markus wegen seines Versuchs, Jesus von seinem vorherbestimmten Leidensweg abzubringen, "Satan" genannt wird, antwortet Jesus in Johannes 6, 66-71 auf dessen Bekenntnis du bist der Heilige Gottes:
"Habe ich nicht euch Zwölf erwählt? Und einer von euch ist ein Teufel. Er redete aber von Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Der verriet ihn hernach und war einer der Zwölf." So wird der Verräter Judas zur Kontrastfigur des Bekenners Petrus.
Judas Thaddäus
ist die traditionelle kirchliche Bezeichnung für einen der zwölf Apostel von Jesus Christus. Bei Lukas, im Evangelium (Lukas 6,16) und der Apostelgeschichte (Apg. 1,13), findet sich in der Liste der zwölf Apostel ein "Judas der Sohn des Jakobus". Matthäus (Matthäus 10,3) kennt ebenso wie Markus (Markus 3,18) einen "Thaddäus", der jedoch nicht "Judas" heißt. Das Johannesevangelium wiederum erwähnt in Johannes 14,22 einen "Judas, nicht den Iskariot".
In der kirchlichen Tradition wird unter all diesen Namen ein und dieselbe Person mit dem Doppelnamen Judas Thaddäus identifiziert. Auch der so genannte Judasbrief im Neuen Testament gilt traditionell als von dieser Person verfasst.
Brief des Judas
ist das drittkürzeste Buch des Neuen Testaments. Es besteht aus nur einem Kapitel, das seit der frühen Neuzeit in 25 Verse eingeteilt wird. Es handelt sich um eine Mahnrede an die "Heiligen", für den einzigen wahren Glauben zu kämpfen und nicht den Irrlehrern zu verfallen, die sich in die Gemeinde "eingeschlichen" haben. Ursprünglich wollte der Autor einen Lehrbrief mit dem Thema der Errettung verfassen. Aber die Infiltration von Irrlehrern und unmoralischen Personen veranlasste den Autor schließlich zu der überlieferten Mahnrede.
Der Verfasser nennt sich "Judas, ein Knecht Jesu Christi und Bruder des Jakobus". Die Kirchenväter bezogen diese Angabe auf Judas Thaddäus, der in Lukas und Apostelgeschichte als einer der Apostel mit dem Zusatz "des Jakobus Sohn" genannt wird. Er ist nicht mit dem anderen Apostel namens Judas Iskariot zu verwechseln. Welcher Jakobus sein Bruder, welcher sein Vater war, ist nicht klar. "Jakobus, Sohn des Alphäus" (Jakobus der Jüngere) ist ebenso denkbar wie "Jakobus, der Sohn des Zebedäus" (Jakobus der Ältere), der neben dem Lieblingsjünger "Johannes" genannt wird.
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