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Montag,  21. Mai 2012

 



Evangelium nach Markus

ist das zweite Buch des Neuen Testaments in der christlichen Bibel, das kürzeste der vier kanonischen Evangelien und nach bibelwissenschaftlicher Mehrheitsmeinung auch das älteste unter ihnen. Die uns bekannte Evangelienüberschrift "Evangelium nach Markus" wurde erst deutlich später hinzugefügt und steht in altkirchlicher Tradition.

In Bezug auf die Entstehungszeit des Markusevangeliums besteht weitgehender Konsens. Da in Markus 13,2 eine Anspielung auf die Zerstörung des Tempels im Jahre 70 n. Chr. durch Titus gesehen wird, gruppieren sich alle jüngeren Datierungsversuche um diesen Zeitpunkt. Einige Exegeten verstehen diesen Vers als echte Prophezeiung und vermuten somit eine Entstehung des Evangeliums in einer Zeit, als der Ausgang des jüdischen Krieges bereits abzusehen war.

Dass das Markusevangelium vorwiegend für eine heidenchristliche Gemeinde niedergeschrieben wurde, wird aus der häufigen Erklärung jüdischen Brauchtums und der Übersetzung semitischer Ausdrücke gefolgert. Wahrscheinlich betrieb diese Gemeinde Mission unter den Heiden, was aus der Annahme gefolgert wird, dass Markus diese legitimieren will, indem er auch Jesus unter den Heiden wirken lässt.

Beim Markusevangelium fallen besonders Sprachgebrauch und Schreibstil auf. Wie alle neutestamentlichen Schriftsteller verwendet er das Griechisch der Koine, allerdings in einer schlichten und umgangssprachlichen Ausprägung. Aus der Septuaginta greift er insbesondere theologische Termini auf, die er in sein Evangelium einbaut. Daneben finden sich bei ihm zahlreiche Latinismen und Wörter der griechischen Alltagssprache wieder.
  Donatello: Marmorstatue, 1411, Orsanmichele in Florenz Donatello: Marmorstatue, 1411,
Orsanmichele in Florenz   Gemeinfreiheit

Inhaltliche Zusammenfassung

Das Markusevangelium ist das kürzeste Evangelium des neuen Testaments und umfasst 16 Kapitel. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Gliederung, wobei hier die gängigste Gliederung vorgestellt wird, die eine grobe Zweiteilung des Werkes annimmt:

Prolog

Jesus wird gleich zu Beginn als Gottessohn vorgestellt, sein Auftreten jedoch in Zusammenhang mit Johannes dem Täufer gebracht, der als der im Alten Testament verheißene Vorläufer auftritt. In der Taufperikope wird Jesus von Gott als sein Sohn offenbart (Markus 1, 9-11) und nach seiner Bewährung in der Versuchung kann er mit seinem messianischen Anspruch auftreten.

Vollmächtiges Wirken Jesu

Vollmächtiges Wirken vor dem Volk

Jesus beruft gleich zu Beginn seines öffentlichen Wirkens die ersten vier Jünger, (Markus 1, 16-20) womit seine Ausrichtung auf eine Gemeinschaft angedeutet wird. Durch die mehrfachen Berichte von Wunderheilungen wird zudem seine Vollmacht vorgestellt. Diese Heilungen finden zunächst großen Anklang, führen dann jedoch zum Konflikt mit religiösen Autoritäten, die infolge Jesu neuer Gesetzesauslegung schließlich einen ersten Todesbeschluss fassen und somit einen ersten Hinweis auf die Passion geben. (Markus 3,1-6)

Lehr- und Wundertätigkeit

Jesu Einflussbereich breitet sich nun über Galiläa hinaus aus und er vertreibt auch in den Nachbargebieten das Böse. Dennoch stößt Jesu Wirken auf Widerstand. Im Wesentlichen werden in diesem Abschnitt vier Themen behandelt: Zunächst werden die Hörer Jesu gruppiert, indem er den Zwölferkreis als seine neue Familie einsetzt, während er sich von seiner eigentlichen Familie abgrenzt. (Markus 3,31-35) Darauf folgt die Gleichnisrede, in der Jesus das Reich Gottes beschreibt. (Markus 4,26-33) Dieser schließt sich der Höhepunkt Jesu Wunderwirkens an. Der Abschnitt schließt mit einer erneuten Ablehnung in seiner Heimat.

Jesu Wanderschaft

Der Abschnitt beginnt mit der Aussendung der zwölf Jünger, die vermutlich auf die Kirche verweisen soll, die Jesu Auftreten fortsetzt. Das Martyrium des Täufers schließt an die Ablehnung Jesu in der Heimat an und nimmt seine Passion vorweg. (Markus 6,17-29) Der dann folgende Teil ist von einem Übergang Jesu Heilshandelns von den Juden hin zu den Heiden gekennzeichnet. (Markus 7, 24-30) Der gesamte erste Abschnitt des Evangeliums endet schließlich mit erneuten Auseinandersetzungen mit jüdischen Gelehrten.

Weg zum Kreuz

Weg nach Jerusalem

In diesem Abschnitt beginnt Jesu Weg nach Jerusalem und somit ins Leiden. Dies wird auch geografisch verdeutlicht, indem die geschilderten Handlungen von Caesarea im Norden, über Philippi, Galiläa, Jordansenke und Jericho bis vor Jerusalem lokalisiert sind. Inhaltliche Gliederungsmerkmale sind die drei Leidensweissagungen auf die jeweils eine unverständige Reaktion der Jünger folgt. (Markus 8, 31-339, 30-3210,32-34) Den Abschluss bildet das letzte Heilungswunder Jesu.

Wirken in Jerusalem

Das letzte Auftreten Jesu in Jerusalem wird durch einen provokativen Einzug in die Stadt mit Proklamation Jesu als Davidssohn eingeleitet (Markus 11, 1-11) und gipfelt in der Tempelreinigung. Hier kommt die Eskalation der Auseinandersetzungen zwischen Jesus und den jüdischen Autoritäten deutlich zum Ausdruck. Nach einem ersten Todesbeschluss kommt es zum offenen Konflikt: Abgesandte des Synhedriums fragen nach der Vollmacht Jesu, dieser kontert mit der Parabel von den bösen Winzern. (Markus 12, 1-12) Daraufhin wird ein weiterer Todesbeschluss gefasst, auf den drei weitere Streitgespräche um zentrale theologische Fragestellungen folgen. Daran schließt sich die letzte Rede Jesu an, die unter Aufnahme alttestamentlicher Weissagungen das Ende der bestehenden Weltordnung prophezeit. Sie verfolgt im Wesentlichen drei Anliegen: 1.) die hereinbrechenden Katastrophen erst als Anfang des Endes zu charakterisieren, 2.) die christliche Gemeinde trösten und ermutigen, 3.) warnen und ermahnen. (Markus 13)

Passion, Tod und leeres Grab

Die eigentliche Passion beginnt mit einer erneuten Beratung, wie man Jesus töten könne. Markus schildert hier chronologisch die Abläufe bis zur Verhaftung, wobei die Abendmahlszene mit Jesu Deutung seines Todes als Hingabe für die vielen sicherlich als Höhepunkt dieses Weges zum Kreuz zu sehen ist. (Markus 14, 18-25) Einen weiteren Höhepunkt stellt die Getsemaniszene dar, in welcher der eigentliche Schrecken der Passion als Verlassenheit durch die Menschen und Verwerfung durch Gott gekennzeichnet wird. Strukturierendes Stichwort für die folgenden Teile der Passion ist dann der Begriff "überliefern": Judas überliefert Jesus an die Synhedristen, diese überliefern ihn an Pilatus, der ihn wiederum an die Kriegsknechte überliefert. Die Gottverlassenheit Jesu aus der Getsemaniszene wird erst nach Jesu Tod durchbrochen, was durch wundervolle Zeichen geschieht und durch das Sohn-Gottes-Bekenntnis des römischen Hauptmanns ausgedrückt wird. (Markus 15, 22-39) Das Evangelium schließt ursprünglich dann mit der Verkündigung des Engels im Grab ab. (Markus 16, 5-8)





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