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Christus Online Bibellexikon
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Montag,  21. Mai 2012

 



Apostel Petrus

Simon Petrus war nach dem Neuen Testament einer der ersten Juden, die Jesus von Nazaret in seine Nachfolge berief. Er wird dort als Sprecher der Jünger bzw. Apostel, erster Bekenner, aber auch Verleugner Jesu Christi, erster männlicher Augenzeuge des Auferstandenen und ein Leiter der Jerusalemer Urgemeinde dargestellt.

Hinzu kommen Notizen von Kirchenvätern, wonach er erster Bischof von Antiochia sowie Gründer und Haupt der Gemeinde von Rom gewesen und dort als Märtyrer hingerichtet worden sein soll.

Die römisch-katholische Kirche führt den Primatsanspruch des Papsttums über die Gesamtkirche auf die Annahme zurück, Christus habe Petrus und dieser den Bischöfen von Rom einen Vorrang als Leiter, Lehrer und Richter aller Christen gegeben.

Name

Alle Evangelien nennen als Namen Simon; Jesus redet ihn bis auf eine Ausnahme (Lukas 22, 34) immer so an. Paulus von Tarsus dagegen nannte ihn stets Kephas. Dieses Wort gräzisiert das hebräische (kefa), das kein Eigenname war und nur einmal im Aramäischen als Eigenname belegt ist. Das Wort bedeutet in beiden Sprachen gewöhnlich "Stein", griechisch auch "Fels" im Sinne von Naturstein oder behauener Steinblock.

Diesen Ausdruck soll Jesus Simon als Beinamen verliehen haben; wo und wann, überliefern die Evangelien unterschiedlich. Vermutet wird, dass Jesus Simon auf Aramäisch im Sinn von selten auffindbarem "Edelstein" so bezeichnete, um seine besondere Rolle als Wortführer der Erstberufenen hervorzuheben.

Herkunft und Berufung

Simon stammte wie Jesus aus Galiläa und war an seiner Sprache als Galiläer erkennbar. Er gehörte zu den ersten Jüngern, die Jesus in seine Nachfolge berief. Fast alle Überlieferungen berichten über die Zeit seit dieser Berufung, nur wenige über seine Herkunft. Sein Vater wird namentlich erwähnt: In Matthäus 16,17 spricht Jesus Simon auf Aramäisch als "Sohn des Jona" an. Nach Johannes 1,42 hieß sein Vater Johannes. Das könnte die griechische Version des aramäischen Namens sein oder den "geistlichen Vater" Johannes den Täufer meinen.

Fragment eines Freskos, 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts, Reverenda Fabbrica di San Pietro in den Vatikanischen Museen Fragment eines Freskos, 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts,
Reverenda Fabbrica di San Pietro in den Vatikanischen Museen  
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Gemeinfreiheit
 
Simon hatte einen Bruder namens Andreas, der wohl der Jüngere war, da alle Apostellisten ihn nach ihm nennen. Sie waren Fischer am See Genezareth. Nach Markus 1, 16 traf Jesus sie am Seeufer beim Auswerfen ihrer Fischernetze und forderte sie auf, ihm nachzufolgen. Daraufhin hätten sie die Netze verlassen und seien ihm gefolgt. Bei der Berufung der übrigen Zehn habe Jesus Simon dann den Beinamen "Petrus" gegeben.

Simon war verheiratet; den Namen seiner Frau erfährt man nicht. Er wohnte zusammen mit ihr, ihrer Mutter und seinem Bruder Andreas in einem eigenen Haus in Kafarnaum. Auf dessen Überresten könnten Urchristen eine ihrer ersten Pilgerstätten errichtet haben: Dies vermuten Archäologen, die Mauerreste aus dem 1. Jahrhundert mit christlichen Hoheitstiteln für Jesus und Petrus in Kafarnaum ausgegraben haben.

Obwohl Jesus Simon wie die übrigen Jünger aufforderte, alles zu verlassen, traf Paulus ihn und andere Apostel um das Jahr 39 in Jerusalem mit ihren Ehefrauen an. Da Jesus nichts gegen Ehe bzw. Ehestand äußerte und außerdem die Ehescheidung verbot (Matthäus 5, 32), kann Simons Frau wie andere Frauen aus Galiläa mit ihm umhergezogen sein.

Nach Lukas 5, 1-11 wurde Simon zum "Menschenfischer" berufen, nachdem Jesus seine Antrittspredigt in der Synagoge von Kafarnaum gehalten und seine Schwiegermutter geheilt hatte. Die Berufung folgt einem unerwartet großen Fischfang, nach dem Simon bekennt: "Herr, gehe von mir fort! Ich bin ein sündiger Mensch." Hier nennt Lukas ihn erstmals Petrus, dann auch bei der Auswahl der Zwölf. Er erklärt den Beinamen ebenso wenig wie Markus. Nach der Apostelgeschichte beachtete Simon jüdische Speisevorschriften und verkehrte nicht mit Nichtjuden.

Auch nach Matthäus wird Simon ab seiner Berufung beiläufig "Petrus" genannt. Matthäus stellt den Beinamen erst heraus, nachdem Simon Jesus als den Messias bekannt hatte und dieser ihm daraufhin zusagte, er werde seine Kirche auf "diesen Felsen" bauen.

Nach allen Evangelien war Simon Petrus im Jüngerkreis eine Führungsfigur. Er steht in allen Apostellisten im Neuen Testament an erster Stelle; auch dort, wo er mit Jakobus dem Älteren und Johannes zusammen genannt wird. Er gehörte demnach zu den drei Aposteln, die Jesus besonders nahestanden.

Sie galten nach der Verklärung Christi als die einzigen der Zwölf, denen Gott die Göttlichkeit und künftige Auferstehung seines Sohnes bereits vor dessen Tod offenbarte. Sie begleiteten Jesus zudem in seinen letzten Stunden im Garten Getsemani.

Christusbekenner

Nach Markus beantwortet Petrus Jesu Frage an seine Jünger, für wen sie ihn halten, mit dem Glaubensbekenntnis: Du bist der Messias! Dieser Titel erscheint hier das erste und einzige Mal im Munde eines der Jünger, gefolgt vom Schweigegebot Jesu an sie alle, diesen Glauben an ihn nicht öffentlich zu verbreiten. Petrus spricht hier also stellvertretend für alle Erstberufenen.

Doch gleich darauf, nachdem Jesus den Jüngern erstmals seinen vorherbestimmten Leidensweg ankündigte, "nahm Petrus ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren". Er habe also versucht, Jesus von diesem Weg ans Kreuz abzubringen. Daraufhin habe Jesus ihn schroff zurechtgewiesen:

"Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen."

"Satan" bedeutet im Hebräischen "Gegner" oder "Widersacher". Petrus wird hier mit dem Versucher Jesu in der Wüste verglichen, der den Sohn Gottes ebenfalls von seinem Leidensweg abhalten wollte; er wird auch an anderen Stellen des Neuen Testamnts in die Nähe des Satans gerückt.

Christusverleugner

Dem Christusbekenntnis des Petrus und seiner Zurechtweisung folgt Jesu Jüngerbelehrung:

Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.

Diese Einladung zur Kreuzesnachfolge ist Hintergrund für das spätere Versagen des Petrus im Verlauf der Passion Jesu, als er, um sein Leben zu retten, nicht sich, sondern Jesus verleugnete.

Der Widerspruch zwischen Reden und Handeln zeigte sich bei Petrus schon in Galiläa: Einerseits vertraute er dem Ruf Jesu in die Nachfolge ("Komm her!"), andererseits schwand sein Glaube beim ersten Gegenwind, so dass nur Jesus ihn vor dem Versinken im Meer retten konnte.
(Matthäus 14, 29-31)

Laut Johannes wollte er sich nicht die Füße von Jesus waschen lassen. Diese Handlung war damals ein typischer Sklavendienst: Petrus wehrte sich also dagegen, sich von Jesus als seinem Herrn wie von einem Sklaven bedienen zu lassen. Die Fußwaschung war jedoch symbolische Anteilgabe am Heil und mit dem Auftrag Jesu an alle Jünger verbunden, einander ebenso zu dienen.

Jesus kündigte Petrus auf dem Weg zum Ölberg (nach Lukas beim letzten Abendmahl Jesu) an, er werde ihn noch in derselben Nacht dreimal verleugnen. Dies wies er wie alle übrigen Jünger weit von sich. (Markus 14, 30-31)

"Auch wenn ich mit dir sterben müsste, werde ich dich nicht verleugnen! Das Gleiche sagten sie alle."

Doch kurz darauf schlief er ein, als Jesus in Getsemani den Beistand der Jünger besonders nötig brauchte und erbat. Dann soll er nach Johannes mit Waffengewalt Jesu Verhaftung zu verhindern versucht haben: Er wird hier mit jenem namenlosen Jünger identifiziert, der einem Soldaten der Tempelwache lautMarkus ein Ohr abhieb.

Sein Versagen gipfelt in der Verleugnung Jesu, während dieser sich vor dem Hohen Rat als Messias und kommender Menschensohn bekannte und sein Todesurteil empfing. Als das Krähen eines Hahnes im Morgengrauen Petrus an Jesu Vorhersage erinnerte, habe er zu weinen begonnen. Als das Krähen eines Hahnes im Morgengrauen Petrus an Jesu Vorhersage erinnerte, habe er zu weinen begonnen.

Petrus fehlte demnach die Kraft, seinem Glauben gemäß zu handeln, als es darauf angekommen wäre. Erst nach Pfingsten trat er laut Apostelgeschichte als todesmutiger Bekenner vor dem Hohen Rat auf, der die Sendung des Heiligen Geistes als Missionar und Leiter der Urgemeinde vorbildlich erfüllte. Paulus dagegen berichtet, dass Petrus aus Furcht vor den Judenchristen um Jakobus die Tischgemeinschaft mit Heiden aufgab und vor einigen Juden Gesetzestreue "heuchelte", statt nach der "Wahrheit des Evangeliums" zu wandeln.

Zeuge des Auferstandenen

Petrus ist im Neuen Testament einer der Ersten, dem der auferstandene Jesus begegnete. Als Ausgangspunkt der Osterüberlieferung des Neuen Testaments gelten frühe Bekenntnissätze der Urchristen wie Lukas 24, 34:

"Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simon erschienen."

Den Satz sprechen im Erzählkontext die in Jerusalem versammelten Jünger, bevor der auferstandene Jesus auch ihnen erscheint. Die Liste der ersten Osterzeugen, die Paulus aus der Jerusalemer Urgemeinde übernahm, bestätigt dies (1. Korinther 15, 5):

"...und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen."

Missionar der Urgemeinde

Fast alle Nachrichten vom nachösterlichen Wirken des Petrus stammen aus der Apostelgeschichte. Nach Apostelgeschichte 1,13 hielt er sich zusammen mit den übrigen elf Jüngern in Jerusalem versteckt, bis sie nach Apostelgeschichte 2, 1-4 der Heilige Geist überkam. Darauf folgt Petri erste öffentliche Predigt in Jerusalem. Sie legt Jesu Erscheinen als Gottes vorherbestimmte Erfüllung der Geistverheißung in Israels Heilsgeschichte aus und gipfelt in der Aussage (Apostelgeschichte 2, 36):

"So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat."

Daraufhin sollen sich am selben Tag 3.000 Menschen zum neuen Glauben bekannt haben. So sei dort die Urgemeinde der Christen entstanden, die nach der Apostelgeschichte Angehörige verschiedener Völker und Sprachen umfasste.





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